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HORUS |
Der Ablauf eines Gruppentreffens bei HORUS
Wir treffen uns alle zwei Wochen für zwei Stunden. Jede Sitzung hat einen festen Rahmen. Wir beginnen zur vorgegebenen Zeit mit einer so genannten Blitzrunde, in der jeder in wenigen Minuten sagen kann, keinesfalls sagen muss, was ihn beschäftigt und was er später zum Thema machen möchte. Danach ist freier Raum zum Reden, bis kurz vorm wiederum pünktlichen Schluss jeder noch einmal Gelegenheit bekommt, seine Bewertung des Treffens mitzuteilen. Nimmt ein neuer Mann zum ersten Mal teil, dann weiten wir die Eingangsblitzrunde zu einer Vorstellungsrunde aus.
Es hat sich gezeigt, dass gewisse Grundregeln wichtig sind fürs Gelingen eines Treffens. Es sind dies wohl bekannte Umgangsformen, wie sie in Gruppen üblich sind. Auch wir haben sie nicht erfunden, sondern lehnen uns an Tauwetter an (siehe auch das Handbuch von Tauwetter). Hier soll nur noch einmal an einige erinnert werden, die für unsere Gruppen besondere Bedeutung haben:
- Nüchternheit während des Treffens
Alkohol, sonstige Drogen und Süchte wurden und werden von vielen Opfern als Fluchthilfe vor großem Schmerz benutzt. Unser Ziel ist eine möglichst klare Sicht. Jeder soll seine Wahrnehmung realitätsnäher gestalten. Außerdem verhindert Betäubung jene Kommunikation, zu der wir uns gerade zusammen gefunden haben. Wir schließen Männer aus, bei denen der begründete Verdacht auf andauernde Abhängigkeit von Drogen vorliegt.
- Jeder spricht für sich. Auch Ratschläge können Schläge enthalten.
Jeder spricht für sich selbst und sollte sich das bewusst deutlich machen, indem er man und wir meidet und darauf achtet, von sich und nicht über andere zu sprechen. Unser Ziel ist, jeder Einzelne möge zu sich selbst, zu seinen eigenen Gefühlen, finden, von denen, deshalb treffen wir uns, ein vitaler Teil verschüttet ist. Auch ist es wichtig zu lernen und zu üben, dass jede meiner Wahrnehmungen ein eigener, kreativer Akt ist, in dem ich mich ausdrücke.
- Die Grenzen des Anderen achten
Missbrauch ist stets eine massive Grenzverletzung und ein die Menschenwürde hinweg fegender Kontrollverlust. In dieser Hinsicht sind alle Gruppenmitglieder gebrannte Kinder. Daher ist es sehr wichtig, die Aufmerksamkeit sehr bewusst auf die eigenen Grenzen zu lenken und dann auf die der anderen. Dazu gehört, dass man sehr vorsichtig mit Berührungen umgeht. Viele Opfer sexualisierter Gewalt haben Angst vor Berührungen. Daher solltest du fragen, bevor du jemanden berührst, z.B. wenn du jemanden trösten oder deinem Gefühl von Nähe körperlichen Ausdruck geben möchtest.
- Das Stoppsignal
Es kann der Fall eintreten, dass dir ein Thema sehr missfällt oder dich eine Art der Auseinandersetzung unangenehm berührt. Spätestens wenn das Herz aus der Kehle zu hüpfen droht, ist es an der Zeit Stopp! zu sagen. Dieses Stopp! braucht nicht begründet zu werden. Es ist günstig, dies durch eine Geste zu unterstreichen, oder, falls die Stimme versagen sollte, nur die Geste zu benutzen. Jede Gruppe sollte sich auf ein Notsignal einigen. Ein Vorschlag ist das mit beiden Händen geformte T. Wenn du dann den Raum verlassen musst, dann tu es. Wünschenswert wäre, du könntest den Anderen mitteilen, ob du nur eine Pause brauchst oder die heutige Sitzung verlässt.
- Der bewusst vollzogene Gruppenaustritt
Auch mit jeder guten Sache ist einmal Schluss. Irgendwann wirst du spüren: Meine Zeit bei HORUS geht zu Ende. Trennungen sind nie einfach, für Opfer sexualisierter Gewalt sind sie meistens sehr schwierig. Daher ist der Abschied von deiner Gruppe eine gute Gelegenheit, diesen unvermeidlichen Prozess für dich bewusst schön zu gestalten. Dazu gehört, dass du deine Trennungswünsche äußerst und zum Thema in der Gruppe machst. Gut für dich, aber auch die Anderen, ist es, wenn du dir dafür 2 oder 3 Sitzungen Zeit nimmst.